Historikertag 2012 – Geschichtswissenschaft digital in Deutschland und Frankreich: Tendenzen, Strategien, Beispiele

•26. September 2012 • Schreibe einen Kommentar

Die erste Sektion des Historikertages liegt nun hinter mir. Die für mich wichtigste Aussage wurde von Jürgen Danyel in seinem Vortrag zu „Erfahrungen mit partizipativen Formen im fachlichen Kontext“ geäußert. Eigentlich sollten all diejenigen, die sich mit digitalen Medien, Geschichtswissenschaft und History 2.0 beschäftigen, nicht in der Sektion zu diesem Thema sitzen, sondern in den anderen Sektionen versuchen diese Herangehensweise und diese Sicht auf Geschichte und Geschichtswissenschaft zu propagieren. So war die erste Sektion zwar sehr interessant – eigentlich waren sich aber auch alle einig, dass der Einsatz digitaler Medien gut und wichtig ist.
Der erste Teil der Sektion bestand aus der Vorstellung von digitalen Ressourcen. Einige Projekte kannte ich bereits; Trivium beispielsweise kannte ich noch nicht. Das Projekt kann aber mit seinem Ansatz französische Forschungsschwerpunkte in die deutsche Fachdiskussion zu integrieren, überzeugen. Mir kamen beim Zuhören die Angebote der UB-Heidelberg in den Sinn, die einen breiten Zugang zu frei verfügbaren Quellen, Zeitschriften und sonstiger Literatur ermöglichen. Sinnvoll finde ich hier Portale, die Angebote bündeln und so einfach auffindbar machen.
Der zweite Teil der Sektion widmete sich ausführlich den Chancen und Möglichkeiten von Sozialen Medien für die Fachkommunikation. Partizipation bei gleichzeitiger medienadäquater Aufbereitung der Inhalte ist hier einer der Schlüsselbegriffe. Auch das Bloggen als Wissenschaftler wurde thematisiert. Vor allem de.hypotheses.org als Plattform wurde herausgehoben. Die Chancen liegen bei dieser Plattform vor allem bei der Speicherung der Daten, die eine langfristige Verfügbarkeit der Beiträge garantiert.
Wichtig fand ich, dass die Verbindung zwischen analoger und digitaler Arbeitsweise immer wieder betont wurde. Ich denke, dass beide Arbeitsweisen voneinander profitieren können.
Interessant war auch die Twitteraktivität parallel zu den Vorträgen. Jedoch muss man neidvoll zugeben, dass die Geschichtswissenschaft hier hinter anderen Disziplinen zurückliegt. Im Vergleich zur Größe der Veranstaltung gibt es nur eine bescheidene Anzahl von Twitterern.
Jetzt freue ich mich auf die Mittagspause und später auf die noch kommenden Sektionen.

Advertisements

Historikertag in Mainz

•24. September 2012 • Schreibe einen Kommentar

Die geographische Nähe zu Mainz ermöglicht mir dieses Jahr einen Besuch des Historikertages. Thema der Konferenz sind „Ressourcen – Konflikte“. Dutzende von interessanten Vorträgen warten schon. Auch für diejenigen, die sich mit digitaler Geschichtswissenschaft / Geschichtsdidaktik beschäftigen, lassen sich einige Beiträge ausmachen. Am Mittwoch von 9-13 Uhr werde ich die Sektion „Geschichtswissenschaft digital in Deutschland und Frankreich: Tendenzen, Strategien, Beispiele“ besuchen. Gleich im Anschluss geht es dann zur Sektion „Medialer Geschichtsunterricht: Innovation statt Beliebigkeit – Öffentlich-rechtliche Medien und Geschichte“ von 15 – 18 Uhr.
Am Donnerstag werde ich, dank des Hinweises von Peter Haber, bei der Präsentation des Buchprojektes „Historyblogosphere.org | Bloggen in den Geschichtswissenschaften“ anwesend sein.
Nachdem ich am Freitag zunächst bei dem Vortrag meiner beiden Kollegen von der Abteilung Geschichte der PH Heidelberg sein werde, findet gegen 13 Uhr die konstituierende Sitzung der „Arbeitsgruppe Digitale Geschichtswissenschaft“ statt. Daran anschließend besuche ich die Podiumsdiskussion zum Thema „Wo bleibt der „Geschmack des Archivs„? Historische Forschung im digitalen Zeitalter“.
Sofern es mit einer W-Lan Verbindung klappt, werde ich ein wenig von den jeweiligen Veranstaltungen twittern. #histag12

Kriterien zur Beurteilung von Wikipedia Artikeln?

•21. September 2012 • 1 Kommentar

Ein Allheilmittel kann es hier leider nicht geben. Dafür zeigt sich die Wikipedia als ein zu vielfältiges Projekt. Für den Laien ist es ohne eine vertiefte Auseinandersetzung mit den im jeweiligen Artikel behandelten Inhalten fast unmöglich die Qualität einfach zu beurteilen. Dennoch stellen die vier Regeln von Peter Haber eine zwar mühevolle, jedoch auch gründliche Herangehensweise dar. Nach der Auswertung von 1066 Wikipedia-Artikeln zum Thema Geschichte habe ich da so meine Erfahrungen gemacht. Nächtelanges digitales „Erbsenzählen“ war hier eher die Regel als die Ausnahme. Vor allem die adäquate Analyse der Autorentätigkeit beteiligter Akteure gestaltete sich mehr als nur aufwändig. Daher hat auch Daniel Bernsen Recht, wenn er die Praktikabilität der Haberschen Regeln für den schulischen Alltag kritisch sieht.

Jan Hodel (Herzlichen Glückwunsch hierzu) weist in seinem Beitrag in der GWU Ausgabe zur Wikipedia zu Recht auf die Bedeutung eines fundierten Umgangs mit Geschichte als Basis für eine Beurteilung der historischen Inhalte der Wikipedia hin. Darauf aufbauend sei aber auch eine weiterführende Auseinandersetzung der Disziplin mit der Wikipedia gefordert. Hierzu zählt zunächst die Beachtung der Online-Enzyklopädie als bedeutsamer Teil der Geschichtskultur, auch seitens der geschichtswissenschaftlichen / geschichtsdidaktischen Forschung. Ein erster Schritt ist dafür sicherlich schon getan, weitere müssen jedoch noch folgen. Auch die Frage nach dem Umgang – im Sinne der Nutzung – mit der Wikipedia in Schule und Hochschule sollte noch weiter diskutiert werden. Ich begrüße daher die Initiative von Peter Haber und Daniel Bernsen zur gemeinsamen Erarbeitung von Kriterien zur Beurteilung der Wikipedia. Gerne werde ich mich daran beteiligen. Bis dahin sei auf eine kleine Sammlung von Angeboten verwiesen, die bereits ähnliches versucht haben, wenn auch nicht aus einer historischen Perspektive.

Zeitschrift für digitale Geschichtswissenschaften

•18. September 2012 • Schreibe einen Kommentar

Letzte Woche ist die erste Ausgabe der Zeitschrift für digitale Geschichtswissenschaften online gegangen. Die Bandbreite der insgesamt acht Aufsätze reicht von einem grundlegenden Artikel zum Thema „digitale Geschichtsdidaktik“ bis hin zu einem Überblicksartikel zur Wikipedia. Das ambitionierte Projekt, dass an der Universität des Saarlandes angesiedelt ist, finde ich sehr interessant, stellt das Digitale doch einen Schwerpunkt meiner Arbeit dar.

Deshalb war ich auch schon sehr auf den grundlegenden Artikel von Alexander König, Daniel Bernsen und Thomas Spahn gespannt. Die drei Autoren möchten in ihrem Aufsatz die Basis einer zu konturierenden „digitalen Geschichtsdidaktik“ legen. Den Autoren geht es darum, das Digitale als integralen Bestandteil der Geschichtsdidaktik zu definieren um so die Bedeutung des sich vollziehenden digitalen Wandels Rechnung zu tragen. Eine durchaus plausible Argumentation, erkennt diese doch die Bedeutung der sich ändernden medialen Bedingungen unter denen historisches Lernen möglich ist, an. Die Autoren versuchen in einem weit angelegten Rundblick den Kern einer „digitalen Geschichtsdidaktik“ herauszustellen. Dabei betonen sie, zu Recht wie ich finde, die Brückenposition einer solchen Teildisziplin der Geschichtsdidaktik. Es existieren eben viele Schnittstellen mit anderen Disziplinen, die äußerst gewinnbringend sein können. Gerade hier wird der Blick über den disziplinären Tellerrand nicht nur sinnvoll, sondern gar zwingend notwendig. Dennoch finde ich, dass der Bezug zur eignen Disziplin nicht vergessen werden sollte: So haben König, Bernsen und Spahn vollkommen recht, wenn sie herausstellen, dass der Umgang mit digitalen Medien „komplexe Kompetenzen“ erfordert. Über die quellenkritische Auswertung im Rahmen einer Quellenanalyse bietet die Geschichtswissenschaft hier aber auch einen Zugang, der durch eben jene Kompetenzen ergänzt werden sollte. Das Besondere im Bereich des Digitalen liegt in der unüberschaubaren Menge er zur Verfügung stehenden Daten die ausgewertet werden müssen/können/sollten.

Die Autoren benennen ebenso richtig, dass es keinen Widerspruch zwischen Individualisierung der Nutzung von Angeboten und einer Globalisierung der Erinnerungskultur geben muss. Ergänzend würde ich hier die Frage formulieren, inwiefern nationale (sprachliche) Grenzen hier noch eine Hürde darstellen, die den Kreis der an dieser Entwicklung beteiligten Akteure eventuell doch einschränkt. Klar ist jedoch, dass digitale Medien, hier meine ich nur das WWW, zu einer Schrumpfung der Distanz führen. Der Austausch über erinnerungskulturelle Grenzen hinweg wird erleichtert aber nicht eingeebnet.

Sinnvoll finde ich auch die Postulierung einer „Arbeitsdefinition“ für digitale Geschichtsdidaktik, in dessen Folge das Lernen an, mit, über und in digitalen Medien beschrieben wird. Gerade der letzte Bereich erscheint mir besonders interessant, werden doch Spezifika des digitalen Wandels berücksichtigt.

Ein sehr interessanter Beitrag, der grundlegende Prinzipien des Umgangs mit digitalen Medien in der Geschichtsdidaktik formuliert.

 

Das IPad und ich

•5. September 2012 • Schreibe einen Kommentar

Ich setze gerade zu Testzwecken ein IPad ein. Vor allem die sehr gute Performanz des Tablets hat es mir angetan. Und ich habe im App-Store einige Programme gefunden, die sich sehr gut im Bildungsbereich anwenden lassen. Eines davon ist die App „Educreations“. Eigentlich war ich auf der Suche nach Programmen, die man zusammen mit einem Whiteboard anwenden kann. Dabei habe ich dann Educreations gefunden. Das Programm bietet die Möglichkeit kleinere Videos zu drehen. Dabei hat man eine weiße „Tafel“ zur Verfügung, die man wie ein Whiteboard beschriften kann. Die Anwendung bietet zunächst eine recht überschaubare Anzahl von Werkzeugen. Dazu gehört unter anderem die Möglichkeit, Bilder einzufügen und diese zu skalieren, eine Schreibmaschine für getippten Text, und eben die Möglichkeit mit dem Finger Text direkt auf die weiße Oberfläche zu schreiben. Alle Inhalte können vorbereitet werden um dann im Anschluss über eine Videoaufnahmefunktion mit einem eingesprochenen Text kombiniert zu werden. So lassen sich kleine, recht einfache Videos erstellen, die für einfache Anleitungen sehr geeignet scheinen. Eigentlich also eine Anwendung zum Erstellen von Inhalten für eLearning-Zusammenhänge. Ich denke, diese App kann aber auch ganz gut an einem Whiteboard eingesetzt werden. Sobald ich wieder an unserem Whiteboard in Heidelberg arbeiten kann, werde ich mich gleich mal an einen ersten Versuch machen.

 

 

Apropos Whiteboard und IPad: Über Twitter kommt gerade diese Nachricht rein: Die Smartboard-App fürs IPad für 5,49€. Auch die werde ich in den nächsten Tagen mal testen.

P.S. Einige interessante Apps zeigt dieses Video.

 

Jauch, digitale Medien und Erkenntnisgewinn…

•3. September 2012 • Schreibe einen Kommentar

Gestern Abend habe ich nach dem durchaus interessanten Tatort noch kurz bei Günther Jauch reingeschaut. Nachdem ich mir die ersten paar Minuten noch die Zusammenfassungen der Sonntagspartien der Bundesliga angesehen habe, schaltete ich zurück auf die ARD und lauschte den Worten der hier versammelten Prominenz. Neben der Tatsache, dass hier viel geredet, aber wenig gesagt wurde, habe ich eigentlich relativ schnell die Positionen unterscheiden können. Deshalb war auch relativ klar, was wer zu welchem Aspekt sagen würde. Dem Thema geschuldet, hat die Ausgabe von Jauch in der Netzgemeinde einiges Aufsehen erregt. So ließen sich die Reaktionen zu den bei Jauch vertretenen Positionen schön bei Twitter nachvollziehen. Ich finde, das ist ein ganz gutes Beispiel für parallele Mediennutzung. Während man den Fernseher laufen lässt, twittert man oder schreibt einen kleinen Facebookbeitrag. Naja, mach ich ja auch. Auch wenn die Erkenntnisse jetzt nicht so groß sind, immerhin ein Erkenntnisgewinn. Mehr zumindest als durch das Schauen von Jauchs Sendung (außer vielleicht, dass Ranga Yogeshwar ein IPad besitzt).

Nachtrag: Die Debatte um das Buch von Manfred Spitzer findet sich u.a. hier, hier und auch hier.

in eigener Sache

•26. Juli 2012 • Schreibe einen Kommentar

Schon etwas her: Die aktuelle Ausgabe des bildungswissenschaftlichen Magazins der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist gerade erschienen. In dieser Ausgabe findet sich ein Artikel von Holger Meeh und mir zum Chat der Welten. Für dieses Projekt haben wir zusammen mit zwei Lehrern einen Online-Kurs zum Thema Globalisierung am Beispiel des Produktes „Jeans“ gestaltet. Weitere Informationen zum Projekt finden sich eben in diesem kleinen Artikel der hier eingesehen werden kann