Laskarina Bouboulina – Ikone des griechischen Unabhängigkeitskrieges

Genau vor 195 Jahren erklärte Griechenland, dass es nicht länger ein Teil des Osmanischen Reiches sein wollte. Ursprünglich als dreifache Aktion, sowohl in Konstantinopel, auf der Peleponnes und als Angriff über das Fürstentum Moldau geplant, konnten sich die Revolutionäre nur auf dem Peleponnes festsetzen und nachhaltige Erfolge feiern. Jedoch dauerte der Kampf um die Unbhängigkeit Griechenlands noch bis zum Ende des Jahrzehnt, unter anderem auch wegen der Uneinigkeit der griechischen Führungseliten und aufgrund der Interessen der europäischen Großmächte.

Eben jene Überlegungen zur Ausbalancierung der Machtverhältnisse waren es jedoch auch, die schließlich zur endgültigen Unabhängigkeit Griechenlands führten. Nachdem Truppen unter dem Befehl von Mehmet Ali (aus Ägypten) 1825 auf dem Peleponnes landeten und Navarino eroberten und sich damit eine Machtverschiebung im südöstlichen Mittelmeerraum anbahnte, entsandten das Vereinigte Königreich, Frankreich und das Russische Reich eine Flotte, die in der Schlacht von Navarino Alis Ansinnen der Eroberung des Peleponnes beendeten. Schließlich wurde in den Londoner Protokollen beschlossen, dass ein kleines, unabhängiges, griechisches Königreich entstehen sollte. Die Königskrone sollte an den Wittelsbacher Otto gehen, der als Otto I. von 1832 bis 1864 König von Griechenland war.

Heute wird in Griechenland der 25. März, neben dem Oxi-Tag, als Nationalfeiertag gefeiert. Man erinnert sich vor allem an die zwar nicht eindeutig überlieferte, jedoch in ihrer Bedeutung um so wirkmächtigere Segnung der Fahne des Freiheitskampfes durch den Metropolit Germanos von Patras, die gemeinhin als eigentlicher Beginn des griechischen Unabhängigkeitsstrebens gesehen wird.

Während dieser Teil des griechischen Unabhängigkeitskampfes in Deutschland noch relativ bekannt sein dürfte, so scheint das Leben einer der bekanntesten Frauen der Revolution noch relativ unbeachtet zu sein, auch wenn es zu ihr einen durchaus lesenswerten Wikipedia-Eintrag gibt: Laskarina Bouboulina.

Bouboulina, die infolge eines sehr ungewöhnlichen Lebens – unter anderem war sie bereits mit vierzig Jahren zwei Mal verwitwet – sehr reich war, gehörte als einzige Frau dem Geheimbund Filiki Eteria an, der maßgeblich die griechische Unabhängigkeit vorbereitete. Somit befand sie sich im Zentrum der grichischen Unabhängigkeitsbestrebungen und hatte in dieser einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss.

Schließlich war es auch Bouboulina, die auf ihrem Schiff Agamemnon vor dem Hafen der griechischen Stadt Spetses eine Unabhängigkeitsflagge hisste – und das bereits zwölf Tage vor dem eigentlichen Beginn der Revolution.

Bouboulina gab nahezu ihr gesamtes Vermögen für die Unterstützung der griechischen Truppen im Unabhängigkeitskampf  aus. Daneben griff sie auch aktiv ins Kampfgeschehen ein, z.B. indem sie eine Flotte aus Kriegsschiffen kommandierte, die die Hafenstadt Nafplion blockierten. Auch waren ihre „feurigen“ Ansprachen an die griechischen Freiheitskämpfer legendär. So legendär, dass die Überfigur des griechischen Unabhängigkeitskampfes Theodoros Kolokotronis auf sie aufmerksam wurde und sich zwischen beiden eine tiefe Freundschaft entwickelte.

Während Bouboulina durch ihre militärische Erfolge zu einer bedeutenden Person im Unabhängigkeitskampf wurde, so wurde sie auch für ihren Einsatz bei der Rettung des Harems des Herrschers der Stadt Tripolis als mildtätige Gerechte in der Geschichtskultur Griechenlands bekannt. Auf den Fall der Stadt folgte ein Massaker an der damaligen Bevölkerung. Bouboulina setzte sich für die Verschonung und Rettung der Frauen ein, aufgrund, so die Überlieferung, eines Versprechens, dass sie Jahre früher der Mutter des Sultans von Konstantinopel gegeben hatte: Sie würde sich dem Hilferuf einer türkischen Frau nicht entziehen, sondern ganz in Gegenteil ihr Bestes zur Hilfe beitragen.

Sowohl die militärisch als auch die sozial/fürsorgliche Seite dieser Person der griechischen Geschichtskultur trugen im Laufe der Jahrzehnte immer weiter zum Ruhm Bouboulinas bei und machten sie zur wahrscheinlich bekanntesten weiblichen Figur im Unabhängigkeitskampf, wahrscheinlich auch unterstützt durch ihren frühen gewaltsamen Tod, der jedoch weniger mit der Unabhängigkeit Griechenlands zu tun hatte.

Ihre geschichtskulturelle Bedeutung spiegelt sich in einer Vielzahl von Straßenbenennungen wider oder auch in der Würdigung durch die Abbildung auf der 1-Drachmen-Münze (1988-2001) oder des 50 Drachmen-Scheins (bis 1978).

Zwar kann sie in ihrer geschichtskulturellen Wirkung auf die nationale Erinnerung an den Unabhängigkeitskampf die Strahlkraft eines Kolokotronis nicht übertreffen, jedoch stellt sie eine bedeutende Person der neueren griechischen Geschichte dar, an die ich gerne an diesem 195. Jahrestag erinnere.

Wer mehr über den griechischen Unabhängigkeitskampf wissen möchte, dem sei dieser Titel ans Herz gelegt:

Und zuletzt: ein Tweet des griechischen Ministerpräsidenten zum heutigen Nationalfeiertag:

Η Ελληνική Επανάσταση, καρπός του Διαφωτισμού, φορέας σύγχρονων αξιών ελευθερίας & δικαιοσύνης, μας εμπνέει πάντοτε

Advertisements

~ von Manuel Altenkirch - 25. März 2016.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: