Zeitschrift für digitale Geschichtswissenschaften

Letzte Woche ist die erste Ausgabe der Zeitschrift für digitale Geschichtswissenschaften online gegangen. Die Bandbreite der insgesamt acht Aufsätze reicht von einem grundlegenden Artikel zum Thema „digitale Geschichtsdidaktik“ bis hin zu einem Überblicksartikel zur Wikipedia. Das ambitionierte Projekt, dass an der Universität des Saarlandes angesiedelt ist, finde ich sehr interessant, stellt das Digitale doch einen Schwerpunkt meiner Arbeit dar.

Deshalb war ich auch schon sehr auf den grundlegenden Artikel von Alexander König, Daniel Bernsen und Thomas Spahn gespannt. Die drei Autoren möchten in ihrem Aufsatz die Basis einer zu konturierenden „digitalen Geschichtsdidaktik“ legen. Den Autoren geht es darum, das Digitale als integralen Bestandteil der Geschichtsdidaktik zu definieren um so die Bedeutung des sich vollziehenden digitalen Wandels Rechnung zu tragen. Eine durchaus plausible Argumentation, erkennt diese doch die Bedeutung der sich ändernden medialen Bedingungen unter denen historisches Lernen möglich ist, an. Die Autoren versuchen in einem weit angelegten Rundblick den Kern einer „digitalen Geschichtsdidaktik“ herauszustellen. Dabei betonen sie, zu Recht wie ich finde, die Brückenposition einer solchen Teildisziplin der Geschichtsdidaktik. Es existieren eben viele Schnittstellen mit anderen Disziplinen, die äußerst gewinnbringend sein können. Gerade hier wird der Blick über den disziplinären Tellerrand nicht nur sinnvoll, sondern gar zwingend notwendig. Dennoch finde ich, dass der Bezug zur eignen Disziplin nicht vergessen werden sollte: So haben König, Bernsen und Spahn vollkommen recht, wenn sie herausstellen, dass der Umgang mit digitalen Medien „komplexe Kompetenzen“ erfordert. Über die quellenkritische Auswertung im Rahmen einer Quellenanalyse bietet die Geschichtswissenschaft hier aber auch einen Zugang, der durch eben jene Kompetenzen ergänzt werden sollte. Das Besondere im Bereich des Digitalen liegt in der unüberschaubaren Menge er zur Verfügung stehenden Daten die ausgewertet werden müssen/können/sollten.

Die Autoren benennen ebenso richtig, dass es keinen Widerspruch zwischen Individualisierung der Nutzung von Angeboten und einer Globalisierung der Erinnerungskultur geben muss. Ergänzend würde ich hier die Frage formulieren, inwiefern nationale (sprachliche) Grenzen hier noch eine Hürde darstellen, die den Kreis der an dieser Entwicklung beteiligten Akteure eventuell doch einschränkt. Klar ist jedoch, dass digitale Medien, hier meine ich nur das WWW, zu einer Schrumpfung der Distanz führen. Der Austausch über erinnerungskulturelle Grenzen hinweg wird erleichtert aber nicht eingeebnet.

Sinnvoll finde ich auch die Postulierung einer „Arbeitsdefinition“ für digitale Geschichtsdidaktik, in dessen Folge das Lernen an, mit, über und in digitalen Medien beschrieben wird. Gerade der letzte Bereich erscheint mir besonders interessant, werden doch Spezifika des digitalen Wandels berücksichtigt.

Ein sehr interessanter Beitrag, der grundlegende Prinzipien des Umgangs mit digitalen Medien in der Geschichtsdidaktik formuliert.

 

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~ von Manuel Altenkirch - 18. September 2012.

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