Interactive Whiteboards – Teufelszeug oder Heilsbringer?

Ich mache mir gerade Gedanken zum Thema Interactive Whiteboard. Letztes Jahr hatten Holger Meeh und ich die Gelegenheit, auf einer Fachtagung an der Goethe-Universität in Frankfurt unsere ersten Erfahrungen mit dem Einsatz von Whiteboards in der Hochschullehre mit einem interessierten Publikum zu teilen. Eine Aufzeichnung des Vortrages kann man unten sehen. Unter dem zugegeben etwas provokanten Titel „Heilsbringer oder Teufelszeug?“  haben wir versucht, einen möglichst realistischen Blick auf dieses Medium zu werfen, jenseits von positivistischen Heilsversprechen und absoluter Ablehnung. Nun gilt es, die im Vortrag dargestellten Inhalte in Form zu bringen, denn ein Tagungsband soll auch noch erscheinen.

Beim Thema Whiteboard scheint mir ziemlich viel in Bewegung. Sucht man nach Veröffentlichungen zu diesem Thema, so kann man eine relativ große Anzahl von Texten finden, die Whiteboards als durchaus tolle Sache sehen, die für den Unterricht gewinnbringende Vorteile verspricht. Ein offensichtlicher Vorteil von Whiteboards ist die Möglichkeit, Dinge zu visualisieren. Und dies mit der Möglichkeit mit der Visualisierung zu interagieren.

Seit letztem Jahr ist die PH Heidelberg Referenzhochschule des Whiteboard-Herstellers SMART. Dankbarerweise haben wir nun ein Whiteboard zur Verfügung, das wir nach Herzenslust testen können. Dabei sollen sowohl fremde Materialien im Sinne einer Evaluation getestet werden, als auch eigene Materialien entworfen werden. Immer deutlicher wird mir bei der Konzeption von Materialien, dass diese mehrere Bedingungen erfüllen müssen, um sinnvoll zu sein:

  • Es bedarf einer konkreten Anleitung, was man mit den Materialien machen soll. Viele der Angebote, die ich gefunden habe, sind kommentarlos online gestellt worden. Bei vielen bin ich mit gar nicht sicher, was ich mit den einzelnen Tafelbildern machen soll! Manchmal verstehe ich sie auch gar nicht. Eine kurze (!) Beschreibung finde ich sinnvoll!
  • Viele Angebote sind sehr groß. Es handelt sich hier nicht nur um ein einzelnes Tafelbild oder um eine Einheit für eine Stunde, sondern vielmehr um Material für eine ganze Unterrichtsreihe. Diese Angebote sind zwar schön, wenn man sie so übernehmen will; jedoch bleibt die eigene methodische Freiheit etwas auf der Strecke. Wenn ich selbst etwas Neues hinzufügen will, muss ich das schöne Konzept „stören“. Wenn ich das überhaupt mache. Ich denke, dass es sinnvoller ist, kleine, leicht in das eigene unterrichtliche Handeln integrierbare Materialien zu entwickeln, die  – gut kommentiert – einfach übernommen werden können.
  • Ein Whiteboard bietet viele Möglichkeiten ein mediales Feuerwerk abzubrennen. Ich habe in meinen Seminaren beim erstmaligen Benutzen des Whiteboards hier den Studierenden immer versucht, die Grenzen des Möglichen zu zeigen, jedoch denke ich nicht, dass dies etwas für den Alltag ist. Zuviel „Klicki-Bunti“ lenkt doch zu sehr ab und kann schnell kontraproduktiv sein. Ein einfacher, niederschwelliger Zugang scheint mir sinnvoll. In der Regel habe ich das Whiteboard oft nur zu Präsentationszwecken genutzt. So habe ich in einer Sitzung Propagandaplakate gezeigt und bestimmte Elemente einfach mit den Whiteboardstiften markiert und beschrieben. Keine große Zauberkunst, jedoch eine sinnvolle Nutzung des Boards.

Ich denke, dass diese drei Punkte wesentlich für die Erstellung von Materialien für den Einsatz im Unterricht sind – zumindest noch so lange, bis Whiteboards nicht mehr zu den „Neuen“ Medien zählen.

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~ von Manuel Altenkirch - 6. März 2012.

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